Der Weltraum, unendliche Weiten… Willkomen zurück im „Star
Trek“-Universum. Aber diesmal sind es nicht Kirk, Spock und die Enterprise, die
im Rampenlicht stehen, sondern eine völlig neue Besatzung, welche die Raumstation
Vanguard am Rande des unerforschten Alls bevölkert und so manche Intrige
spinnt….
Es ist jetzt über 40 Jahre her, dass Gene Roddenberry das
erste Mal Captain Kirk und die Enterprise in die Unendlichkeit schickte, um die
Herzen von Millionen Fans weltweit zu erobern. In den letzten Jahren allerdings
schien es, als sei das Franchise am Ende seiner Kreativität angekommen. Die
Serie „Enterprise“ nahm ei
Alte Besen und neue Räume…
Angesiedelt ist die Handlung rund um die Sternbasis 47, die
auch unter dem Namen Vanguard bekannt ist, zu Beginn der Originalserie. James
T. Kirk ist gerade zum Captain der Enterprise befördert worden, und die
Haupthandlung des Romans spielt in der Zeit zwischen den Episoden „Spitze des
Eisbergs“ und „Pokerspiele“.
Wer allerdings denkt, dass Kirk, Spock und Scotty (McCoy
kommt erst später dazu) in der Handlung die Hauptarbeit zu leisten haben, der
wird leider enttäuscht werden. Die Hauptpersonen sind mit der Raumstation
verbunden, sei es als Personal oder als ständige Bewohner der Taurus-Region.
Doch David Mack gibt sich alle Mühe, seinen Hauptpersonen Leben einzuhauchen.
Das gelingt ihm so gut, dass die Besatzung der Enterprise im Vergleich dazu
sogar blass und stereotyp wirkt.
Als Captain Kirk mit seiner beschädigten Enterprise auf die
gerade in Dienst gestellte Raumstation trifft, kommt ihm diese zwar gerade
recht, um die notwendigen Reparaturen durchzuführen, jedoch erweckt die rasante
Geschwindigkeit, mit der die Föderation eine solch große Station in kürzester
Zeit so weit entfernt von den Kernwelten aufgebaut hat, sein Interesse (was im
übrigen auch für die gerade eingeführten Minikleid-Uniformen für das weibliche
Personal gilt).
Die Raumstation dient offiziell dazu, den Anspruch der
Föderation auf die Taurus-Region zu untermauern. Aber auch einige andere
Anrainer des Sektors haben ein reges Interesse an der Region. So warten die
Klingonen nur auf ihre Chance, eigene Ansprüche geltend zu machen, und auch die
Tholianer beäugen das Vorgehen der Föderation mehr als argwöhnisch. Beide
Rassen vermuten, dass das verstärkte Interesse der Föderation noch einen
anderen Hintergrund hat. Diesen Verdacht hat Captain Kirk auch, jedoch stößt er
bei dem Leiter der Station, Diego Reyes, in diesem Punkt auf eine Mauer eisigen
Schweigens, bis Ereignisse tief im Inneren der Region den Einsatz der
Enterprise notwendig machen und Kirk und Co. hinter das Geheimnis kommen…
New Kids on
the Galactic Block
Da wir bei Comodore Reyes sind, wird es auch Zeit, die
anderen Hauptcharaktere kennen zu lernen, deren Persönlichkeiten in einer im
Anhang existierenden Kartei zu finden sind. Deshalb denke ich, dass ich auch
nicht zuviel von der eigentlichen Handlung verrate, wenn ich hier kurz die
Hauptpersonen anreiße. Commodore Reyes hat beispielsweise zusätzlich zu all
seinen Sorgen als Stationskommandant, die immer größer zu werden scheinen, auch
noch mit der JAG Anwältin Rana Desai zu kämpfen, die ihm nicht nur dienstlich
zusetzt, sondern nebenbei eine Liaison mit ihm unterhält.
Die politisch etwas angespannte Lage vor Ort bekommt auch
Botschafter Jetanien zu spüren, der Verhandlungen mit den Tholianern und den
Klingonen führen muss. Dass seine persönliche Assistentin Anna Sandesjo in
Wahrheit nicht die ist, für die sie sich ausgibt, macht die Sache nicht
einfacher. Die Vulkanierin T’Prynn hat derweil das Hüten von Geheimnissen zu
ihrem Beruf gemacht, jedoch hat die Geheimdienstoffizierin nicht nur die
Geheimnisse von Vanguard und der Taurus-Region zu bewahren, sondern auch mit
einem ganz persönlichen Problem zu kämpfen, einer Art „Dr. Baltar Syndrom“.
Der brillante Wissenschaftsoffizier Lt. Ming Xiong ist ein
echtes Allround-Talent, ein Idealist, der dummerweise ein kleines Problem mit
Autoritätspersonen sowie dem Bewahren von Geheimnissen hat. Ausgerechnet er
kennt das Geheimnis, das hinter Vanguards raschem Aufbau steckt. Gegen Xiong
hingegen hat Dr. Ezekiel Fisher, der leitende Arzt, in 50 Jahren Dienst bei der
Sternenflotte, ein wesentlich abgeklärteres Weltbild. Fisher steht kurz vor der
Pensionierung und scheint für die Rolle des väterlichen Freundes prädestiniert
zu sein. Der Journalist Tim Pennington schließlich sucht auf der Station die
ganz große Story, nicht ahnend, dass er drauf und dran ist, seine Nase in ein
Wespennest zu stecken.
Viele der wohl am besten in meiner Erinnerung geblieben
„Star Trek“-Episoden hatten mit liebenswerten Schurken wie Cyrano Jones oder
Harcourt Fenton Mudd zu tun, und auch eine solche Persönlichkeit darf hier
nicht fehlen. Diese mehr oder vielmehr weniger dankbare Rolle fällt Cervantes
Quinn zu. Eher der Typ „Gelegenheitsschurke“, findet er sich immer wieder in
sehr schmerzhaften und unangenehmen Situationen wieder. Fast immer ist dafür
sein Auftraggeber Ganz, ein orionischer Kaufmannsprinz, verantwortlich. Ganz
ist ein archetypischer Gangsterboss, komplett mit einer Gang halbseidener
Gestalten, die für ihn die Drecksarbeit erledigen. Der „Pate“ der Taurus-Region
residiert auf einer fürstlich ausgestatten Yacht, die gleichzeitig als Bordell
und Casino dient und ständig an Vanguard angedockt ist.
Damit hätte ich gerade einmal so (ganz grob) die
Hauptpersonen abgedeckt, etliche Nebenfiguren, die ebenfalls mit einem hohen
Grad von Detailreichtum aufwarten, runden das Ensemble ab. Mack streut gekonnt
bekannte Persönlichkeiten des Franchise ein, so bekommt auch ein jüngerer
Gorkon („Star Trek VI: Das unentdeckte Land“) einen kurzen Gastauftritt.
David Mack nimmt all diese Personen und webt daraus ein feines,
mehrfach ineinander verflochtenes Netzwerk von Beziehungen und
Handlungssträngen. Eine solche Dichte von Intrigen und Beziehungen findet man
aktuell nur in der Neuauflage von „Battlestar Galactica“, die, wie der Autor
selbst zugibt, „Star Trek: Vanguard“ vielfach beeinflusst hat. Alle
dargestellten Persönlichkeiten sind Variationen von altbekannten Mustern, die
man tüchtig vermischt hat. Mack zeigt, dass er das „vulkanische“ Prinzip von
„Infinite Diversity in Infinite Combinations“ (IDIC) verinnerlicht hat. Allein
die Hauptcharaktere und deren Beziehungen zueinander bieten Stoff für mehrere
Bücher. Die Handlung war zum Teil etwas vorhersehbar, was dem Unterhaltungswert
in meinen Augen jedoch nicht geschadet hat. Die Handlung lebt gleichermaßen von
den Personen und der richtigen Dosis Action – ein gut ausgewogenes Konzept
eben.
Was wäre das alles ohne Bonusmaterial?
Besonders gut fand ich die farbige, ausklappbare Übersicht
der Raumstation, die einzelne Komponenten erläutert und einen sehr guten Überblick
bietet. Als besonderes Schmankerl befindet sich im Anhang des Buches ein
unterhaltsames Interview, das Christian Humberg mit dem Autor geführt hat. Hier
bekommt der interessierte Leser einige spannende Informationen über die
Hintergründe von „Star Trek – Vanguard“ und das Franchise im Allgemeinen.
Fazit: „Der Vorbote“ ist der gelungene Auftakt für „Star
Trek – Vanguard“. Die neuen Hauptpersonen der Raumbasis Vanguard sind lebendig
beschrieben und die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen sind komplex
aufgebaut. Die Handlung wirkt zwar etwas vorhersehbar, ist aber immer
kurzweilig und durchweg spannend. Die Extras in Form der aufklappbaren,
farbigen Übersicht der Vanguard-Station und des Interviews mit David Mack
runden das Ganze gelungen ab. Hier wird einem wirklich „Star Trek“ geboten, wie
ich es mir für „Enterprise“ gewünscht hatte. Für Fans ein absolutes Muss, und
auch solche, die mit „Star Trek“ im Allgemeinen weniger anfangen können, werden
auf ihre Kosten kommen.
Star Trek – Vanguard: Der Vorbote
Film/Serien-Roman
David Mack
Cross Cult
2008
ISBN:
3936480915
388 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80
bei amazon.de bestellen
als E-Book bei amazon.de bestellen
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen