Wer Wind sät… kann auch im „Star Trek“-Universum den Sturm
ernten. Und dieser Sturm droht den Taurus Sektor, die Raumstation Vanguard und
die gesamte Föderation ins Chaos zu stürzen. Nur das Team um Commodore Reyes
kann die Katastrophe noch abwenden, aber nur auf Kosten eines furchtbaren
Preises…
David Mack, der Autor des ersten „Star Trek –
Vanguard“-Romans „Der Vorbote“, meldet sich zurück, um die Ereignisse rund um
die Raumstation Vanguard eindrucksvoll und spannend in Szene zu setzen.
Und Action bitte…
Im Gegensatz zum letzten Band „Rufe den Donner“ verläuft die
Handlung jetzt gradliniger, ohne jedoch an Komplexität oder Spannung
einzubüßen. Vielmehr legt Mack noch etxra nach und brennt ein wahres
Actionfeuerwerk ab. Aber auch die bereits in Gang gesetzten Intrigen der
einzelnen Protagonisten werden gekonnt weitergesponnen. Der Leser kann sich
freuen: Hier wird aus dem Vollen geschöpft, obwohl einige Aktionen der
Protagonisten etwas pathetisch daherkommen.
Ungefähr sechs Wochen nach den Ereignissen des zweiten
Bandes steht die Taurus Region kurz davor, Kriegsschauplatz zu werden. Die
Klingonen und die Föderation jagen weiterhin den Geheimnissen des Metagenoms
und den rätselhaften Artefakten, die in der Region verstreut sind, hinterher.
Die Tholianer wollen unter allen Umständen verhindern, dass die beiden anderen
Mächte mehr darüber erfahren. Die Schöpfer des Metagenoms, die uralten Shedai,
sind aus ihrem Schlaf erwacht und haben ihre eigenen Pläne, die weit über die
Taurus Region hinausgehen…
Wie die Zauberlehrlinge vor dem belebten Besen stehen die
Protagonisten vor der Erkenntnis, dass das Metagenom mehr ist, als nur die
Hinterlassenschaft einer toten Rasse, und dass die Bemühungen, das Rätsel zu
lösen, mächtige Geister heraufbeschworen hat, denen man ziemlich machtlos
gegenübersteht. Alles deutet darauf hin, dass der Schlüssel der Geheimnisse der
Taurus Region auf dem vierten Planeten in dem abgelegenen Jinoteur System zu
finden ist.
Das kleine Spähschiff U.S.S. Sagittarius wird deshalb zu
einer Erkundungsmission entsandt. Mit an Bord befindet sich der Xenoarcheologe
Lt. Ming Xiong, der ausnahmsweise keine Gewissensbisse haben muss, etwas
auszuplaudern, denn diesmal ist die Besatzung in die Geheimnisse der Mission
eingeweiht. Die Mission zum Jinoteur System verläuft (natürlich) nicht ganz so
glatt, wie es sich Ming Xiong und die Crew der U.S.S. Sagittarius erhofft
haben. Wie auf dem Cover des Buches (stammt übrigens aus der Feder von Doug
Drexler, einem weiteren Veteranen des „Star Trek“-Franchise) unschwer erkennbar
ist, stößt das kleine Spähschiff auf einen Klingonischen D-5 Kreuzer, was
gemessen an den anderen Gefahren des Jinoteur Systems allerdings nur ein
kleineres Problem darstellt.
Unterdessen wird die Psyche von Commodore Reyes, dem
Kommandanten der Raumstation Vanguard, auf eine besondere Zerreißprobe
gestellt. Die Kolonie auf Gamma Tauri IV, einem Fundort des Metagenoms, möchte
auf den Schutz der Föderation verzichten. Die Klingonen strecken bereits ihre
Finger nach dem System aus. Dass seine Exfrau Jeanne Vinueza die eingesetzte
Präsidentin der Kolonie ist, verkompliziert die Situation zusätzlich.
Reyes hat immer wieder die hehren Ideale der Sternenflotte
für die Bewahrung der Geheimnisse des Metagenoms kompromittiert. Nun muss er
erkennen, dass diese Geheimnisse möglicherweise nur auf Kosten eines hohen
Blutzolls bewahrt werden können.
Die Tätigkeiten der JAG Anwältin Rana Desai treten in der
Handlung eher in den Hintergrund, dennoch stellt sie weiter Nachforschungen an,
die auf beunruhigende Weise auf eine Verbindung zwischen ihrem Liebhaber,
Commodore Reyes, und den Orionischen Kaufmansprinzen und Verbrecherboss Ganz
hinweisen.
Der Pate des Taurus Systems gewährt dem Leser indessen einen
Einblick in das kaum vorhandene Privatleben eines Syndikatschefs und gibt dabei
einige mehr oder weniger überraschende Fakten preis. Auch Föderationsbotschafter
Jetanien, der Rigelianische Chelone, bekommt relativ wenig Handlung zugewiesen,
was ich persönlich schade fand.
Botschafter Jetaniens persönliche Assistentin Anna Sandesjo,
die als Doppelagentin für die Föderation und die Klingonen tätig ist, sieht
sich mittlerweile auf einen Interessenkonflikt zwischen ihrer Loyalität zu
ihrem Auftraggeber, dem Klingonischen Geheimdienst, und der leidenschaftlichen
Affäre mit der labilen Vulkanierin T’Prynn zusteuern. Der Verrat an ihrem
Klingonischen Erbe belastet sie genauso sehr, wie die augenscheinliche
Gleichgültigkeit ihrer Liebhaberin.
Die Geheimdienstoffizierin T’Prynn hat mittlerweile große
Mühe, ihre psychischen Probleme zu verbergen. Die ständigen Intrigen, welche
die Vulkanierin gesponnen hat, sorgen nun dafür, dass sie sich in dem
errichteten Netz aus Lügen und Täuschungen selbst verfängt. Ihre instabile
Psyche ruft die beiden Stationsärzte M’Benga und Ezekiel Fisher auf den Plan,
deren Bemühungen, T’Prynns Gesundheitszustand zu untersuchen, zusätzliche
Komplikationen schafft. In dieser Stresssituation trifft sie folgenschwere
Entscheidungen, an deren Auswirkungen Sie endgültig zu zerbrechen droht.
Indessen hat sich zwischen Tim Pennington, dem
diskreditierten Journalisten, und dem heruntergekommenen Piloten Cervantes
Quinn eine echte Freundschaft entwickelt (was sich darin wieder spiegelt, dass
die beiden weniger zynische Kommentare austauschen). Jedoch kommen die beiden
nicht lange in den Genuss, die aufgebaute Freundschaft auf einer ausgiebigen
Zechtour auszukosten, denn auch sie werden erneut in die Geschehnisse in der
Taurus Region hineingerissen.
Die Persönlichkeiten des offiziellen „Star Trek“-Universums
üben wie auch in den vorangegangen Bänden dezente Zurückhaltung. Lediglich
Carol Marcus („Star Trek II – Der Zorn des Kahn“) bietet den kongenialen (und
von mir heimlich erwarteten) Konex zum offiziellen „Star Trek“-Kanon. Kleiner
zusätzlicher Tipp: Erstes Buch Mose ;-).
Das Lektorat und die Übersetzung sind nach einigen
ärgerlichen Ausrutschern im Vorgängerband „Rufe den Donner“ zu der Qualität des
ersten Bandes zurückgekehrt. Damit löst sich auch der größte und im Großen und
Ganzen einzige Kritikpunkt, den ich im Vorgängerband zu vermelden hatte, in
Wohlgefallen auf.
Minipedia voller Spoiler
Als Extra wird diesmal ein ausführliches Lexikon mit Daten
über die wichtigsten Personen, Orte und sonstige Begriffe der bisher erschienen
„Star Trek – Vanguard“-Romane im Anhang dargeboten. Mitinbegriffen sind
Informationen aus dem Band „Distant early Warning“ der (noch) nicht in Deutsch
erschienen „Star Fleet Corps of Engineers“-Reihe, dessen Ereignisse vor den
Geschehnissen der hier rezensierten Bücher liegen. Das Lexikon enthält jede
Menge Hinweise auf den Inhalt des Romans und verrät auch die letzten hier
preisgegebenen Informationen in kurzen und prägnanten Einträgen. Ich empfehle
daher, die Lektüre der Minipedia ganz hinten anzustellen.
Es ist zwar angekündigt, dass die Reihe rund um die Station
Vanguard fortgesetzt wird, meine Recherchen haben allerdings ergeben, das der
vierte Band der Reihe erst Anfang 2009 unter dem Titel „Star Trek – Vanguard:
Open Secrets“ in den USA erscheinen soll. Bis eine Übersetzung der Fortsetzung
ins Deutsche vorliegt, dürfte also noch eine recht lange Zeit dauern.
Da der Cross Cult Verlag zwischenzeitlich den Fan mit
weiterem Lesefutter in Sachen „Star Trek“ versorgen möchte, sollte die
Wartezeit allerdings nicht allzu langweilig werden. Als nächstes stehen die
Abenteuer der U.S.S. Titan („Star Trek X – Nemesis“) auf dem Plan, und ich bin
gespannt, wie sich William Riker als Captain ohne Picard im Hintergrund macht.
Was in den USA schon längst gang und gäbe ist, findet dank
dem Cross Cult Verlag nun auch hier Verbreitung: Gut geschriebene „Star
Trek“-Romane, die das Franchise, wenn auch nur inoffiziell, mit Leben füllen,
eine längst überfällige Frischzellenkur für ein Franchise, das nach dem TV-Aus
von „Enterprise“ bereits als tot galt.
Fazit: Mit „Ernte den Sturm“ findet der Zyklus rund um die
Raumstation Vanguard einen gelungenen (vorläufigen) Höhepunkt. Jede Menge
Action wird dem Leser geboten, und auch persönliche Dramen kommen hier nicht zu
kurz. Hier findet sich alles, was eine gute „Star Trek“-Geschichte ausmacht,
aber eben ohne die von Leinwand und Mattscheibe bekannten Personen wie Kirk und
Co. Bevor man sich diesen vorläufig letzten Band zu Gemüte führt, sollten aber
unbedingt die vorangegangenen beiden Bände gelesen werden.
Star Trek – Vanguard: Ernte den Sturm
Film/Serien-Roman
David Mack
Cross Cult
2008
ISBN: 978-3-936480-92-4
458 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80
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