Die Klingonen zählen mit den Vulkaniern
und den Ferengi wohl zu den bekanntesten Völkern des „Star Trek“-Universums.
Der Ehrenkodex, der die Kultur der Klingonen definiert, wird hier detailliert
und unterhaltsam dem geneigten Leser näher gebracht.
Ausführliches Informationsmaterial zu den
einzelnen Völkern des „Star Trek“-Universums ist relativ rar gesät. In Bezug
auf die Klingonen war für lange Zeit auf dem Deutschen Markt das Buch „Die Ehre
der Klingonen“ aus dem Heel Verlag als „kulturelles Sachbuch“ erhältlich. In
diesem Band wurden Zitate aus Serien und Filmen verwandt, die als Basis für
kurze erklärende Texte dienten. Das war zwar recht lustig, gab aber kein
einheitliches Bild der klingonischen Kultur ab. Als ich „Die klingonische Kunst
des Krieges“ zuerst in Händen hielt, dachte ich allein auf Grund des Titels
natürlich an „Die Kunst des Krieges“ von Sunzi. Und tatsächlich: Bei dem Exkurs
in die „Tiefen“ klingonischem Selbstverständnisses stößt man auf einen ähnlich
gearteten Aufbau wie in dem Buch des antiken chinesischen Militärtheoretikers.
Ein Leitsatz wird aufgestellt und anhand von Anekdoten wird die These auf
unterhaltsame Art und Weise untermauert. Anders als bei Sunzi geht es aber in
erster Linie nicht wirklich um ein Handbuch zum Führen von Kriegen. Stattdessen
wird der klingonische Ehrbegriff, der Dreh und Angelpunkt dieser Kultur, von
zehn unterschiedlichen Aspekten beleuchtet. Jeder dieser Grundsätze wird
Kahless zugeschrieben, jenem Krieger, der den Ehrbegriff formulierte und als
Stifter der klingonischen Kultur gilt.
Die Aufmachung des Buches kann sich sehen
lassen. Zwischen den sehr stabilen Buchdeckeln warten 160 Seiten griffiges
Papier, welches so gestaltet wurde, dass es vergilbt und gealtert wirkt.
Letzteres ist so gleichmäßig gehalten, dass dieser Kunstgriff auffällt, aber
letztlich scheitert der antiquierte Look vor allem daran, dass jedem Leitsatz
eine vollfarbige, opulente Illustration vorangestellt wird, die diesen
veranschaulichen soll. Die Bilder zeigen in der Regel Klingonen im Nahkampf,
und hier ist oft Rot die dominierende Farbe. Wer kämpft, vergießt Blut, und das
wird hier reichlich vergossen. Die Anekdoten nehmen in der Regel Anleihen aus
der klingonischen Geschichte. So werden Erzählungen über Kahless oder den Taten
bestimmter Krieger als positive oder negative Beispiele aufgeführt.
Ein wenig gestört haben mich etliche
offensichtliche Widersprüche. So wird das Bathlet als die älteste Waffe der
Klingonen bezeichnet, obwohl gleichzeitig behauptet wird, dass dieses erst
durch Kahles eingeführt wurde. Neben den Leitsätzen und den Anekdoten finden sich
auch noch ein paar interessante Anhänge. So werden traditionelle klingonische
Nahkampfwaffen näher beschrieben, jeweils mit einer entsprechenden
Schwarz-Weiß-Zeichnung, welche mir persönlich aber weniger gefallen hat. Ein
Anhang, der sich mit dem „historischen“ Kahless befasst, der einen anderen
Blick auf die überhöhte Person des berühmtesten aller Klingonen und sein
Vermächtnis wirft, fand ich auch sehr interessant.
Fazit: „Die klingonische Kunst des
Krieges“ vermittelt in erster Linie den klingonischen Ehrenkodex, der sich vor
allem über die persönliche Ehre des einzelnen Klingonen definiert. Wer hier
Ratschläge zu Kampftaktiken und Strategien zu finden hofft, wird nur teilweise
fündig. Das Buch malt auf unterhaltsame Weise ein stimmiges Bild klingonischer
Ideale. Die Verarbeitung ist hochwertig und kann sich sehen lassen. Inhaltlich
gibt es ein paar Unstimmigkeiten, die teilweise sogar beabsichtigt sind. Das
Buch ist natürlich vor allem etwas für die eingefleischten Fans und Klingonen,
die auf der Erde im Exil wohnen. Wer also mehr über die Klingonen erfahren
möchte, ist hier genau richtig.
Star Trek: Die klingonische Kunst des
Krieges
Film/ Sachbuch
Keith R. A. De
Candido
Cross Cult 2014
ISBN: 938978-3864254383
160 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 24,90
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