Samstag, 16. Mai 2015

Star Trek Titan 4 – Schwert des Damokles

Eine neue Episode der Abenteuer der U.S.S. Titan unter dem Kommando von Captain Will Riker und seiner bunt zusammengewürfelten Besatzung entführt den Leser an den Rand des erforschten Weltraums. Einmal mehr wird die Crew in einen Strudel von Ereignissen hineingezogen, der sie diesmal direkt mit dem Auge einer Gottheit konfrontiert. Diese Gottheit bedroht nicht nur die Bevölkerung eines Planeten, sondern scheint auch das Schicksal des Föderationsraumschiffs zu besiegeln.

Diesmal geht die Reise der Titan einen neuen Weg und verlässt „vertraute“ Pfade. Fanden sich bisher in den Romanen rund um die U.S.S. Titan immer direkte Anleihen zu Serien und Romanereignissen, seien es die Neyel in „Der rote König“ oder die Sternquallen in „Die Hunde des Orion“, können Riker und seine Crew diesmal auf keine großartigen Erfahrungswerte zurückgreifen. 

Auf der Suche nach ihrem Schwesterschiff, der U.S.S. Charon, findet sich das Schiff im Bannkreis des Planeten Orisha wieder, der seit Jahrhunderten von einem Himmelkörper umkreist wird, den seine Bewohner für das Auge ihrer Gottheit halten. Unter diesem Eindruck hat sich eine Zivilisation gebildet, die in ständiger Angst lebt, dass sie von einem intelligenten Wesen beobachtet wird, das ihre Welt untersucht und darauf lauert diese zu zerstören. Zum ersten Mal in der Romanreihe erklärt sich der Buchtitel dabei direkt aus der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken. Zwar kann man im übertragenen Sinne noch andere Damoklesschwerter über den Häuptern einiger Protagonisten schweben sehen, primär bezieht es sich natürlich auf das Auge, das nur darauf zu warten scheint, Tod und Verderben auf die Orishaner regnen zu lassen. 

Die Gretchenfrage, die sich hier stellt, ist natürlich folgende: Verbirgt sich hinter der Erscheinung tatsächlich ein Gott oder doch nur ein kosmisches Phänomen? Für den Wissenschaftsoffizier der Titan, dem Bajoraner Jaza, birgt dieses Rätsel besonderen Zündstoff und ihm selbst stellt sich die Frage, ob Schicksal willkürlich oder vorherbestimmt ist. 

Zunächst aber bekommt der Leser einen Einblick in das allgemeine Zusammenleben auf der U.S.S. Titan. Viele unterschiedliche Spezies bedeuten viele zusätzliche Probleme und sorgen für wachsende Spannungen zwischen den Besatzungsmitgliedern. Mit anderen Worten: Es knirscht ein wenig im Gebälk, und die Reibereien zwischen den Besatzungsmitgliedern nehmen stetig zu. Für mich als Leser war es durchaus vergnüglich, wenn sich der Wissenschaftsoffizier und der Chefingenieur nur deshalb in die Wolle kriegen, weil sie schlicht aneinander vorbeireden. Hinzu kommt, dass es zwischen Riker und Troi zu kriseln scheint, was besonders Troi in Mitleidenschaft zieht. Der cardassianische Kadett Dakal bekommt diesmal einen besonderen Platz im Rampenlicht. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass er sich aufgrund der kriegerischen Vergangenheit seines Volkes mit der Föderation als ungeliebter Außenseiter und sich sozusagen auf einem Raumschiff voller Außenseiter doppelt ausgegrenzt sieht. Dennoch und vielleicht gerade deshalb erhält er von seinem Mentor Jaza besondere Aufmerksamkeit. 

Es mutet schon fast traditionell für die Reihe an, dass einmal mehr die oberste Direktive im Zusammenhang mit dem Planeten Orisha thematisiert wird. Dies war auch schon in den vorangegangenen Romanen einer der Kernpunkte gewesen. Im Verlauf der Handlung kommt noch eine Komponente zu dieser Thematik hinzu, die alles noch ein klein wenig komplizierter gestaltet. (Als kleiner Tipp für Trekkies zwei Namen aus einer Episode von DS9; auch wenn die Personen hier nicht auftauchen, so würden sie sich bestimmt sehr dafür interessieren, was im Verlauf der Handlung vor sich geht: Dulmer and Lucsly.) 

Durch die Einführung religiöser Sichtweisen der Orishaner wird ein Thema angeschnitten, das in „Star Trek“ oft in den Hintergrund gerückt wird. Häufig vermittelt „Star Trek“ besonders in der Originalserie den Eindruck, dass Religion ein veraltetes Konzept ist, dem die Menschheit entwachsen ist. Diese positivistisch angehauchte Sichtweise zieht sich wie ein roter Faden durch dass Franchise, obwohl DS9 und Voyager in dieser Beziehung einen Wandel vollziehen. 

Hier allerdings offenbart sich der umgekehrte Weg. Da die Orishaner das Phänomen an ihrem Himmel mit den Mitteln der Wissenschaft nicht erklären können, halten sie es zwangsläufig für eine Manifestierung ihrer Gottheit. Statt einen göttlichen Einfluss von vorneherein auszuschließen und darauf abzustellen, dass eine Erklärung durch späteren wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht wird, schreiben die Orishaner die Erscheinung ihrer Gottheit zu. Julian Wangler begibt sich in diesem Sinne übrigens im Anhang mit dem Leser auf einen kleinen Ausflug zu dem Thema „Star Trek“ und Religion. 

Ein Kunstgriff, der im Laufe der Handlung vorgenommen wird, entpuppt sich indes als stumpfes Schwert. Der versierte Leser weiß sehr genau, dass ihm hier ein Franchiseroman vorliegt, in dessen Handlungsverlauf den Hauptprotagonisten eine Menge passieren und ihnen auch übel mitgespielt werden kann, aber letztendlich nicht mit deren tatsächlichen Ableben zu rechnen ist. Eine solche Situation ist hier gegeben. Und während die Protagonisten vor Trauer vergehen, kann der Leser sich in dem Wissen zurücklehnen, dass alles nicht so schlimm ist, wie es den Anschein hat. 

Das Cover zeigt dieses Mal lediglich die U.S.S. Titan vor einem nebulösen Hintergrund, was ich persönlich als schade empfinde, denn die exotischen Orishaner wären gewiss eine visuelle Darstellung wert gewesen. Anders als bei den ersten Romanen der Reihe kam mir die Übersetzung weniger holprig vor, und auch grobe Schnitzer im Lektorat konnte ich nicht entdecken. 

Fazit: Riker und die Besatzung der Titan stolpern unversehens in eine Situation, die sie mit einem bedrohlichen Himmelskörper in Kontakt bringt, den die Einheimischen für das Auge ihres Gottes halten. Das Wesen des Auges und seine Auswirkungen auf den Planeten bereiten der Besatzung der Titan erhebliche Kopfschmerzen. Die Handlung ist packend geschrieben und wartet mit einigen Überraschungen auf, obwohl sich mancher Kunstgriff eher als stumpfes Damoklesschwert entpuppt. Trotzdem ist der Roman ein Muss für alle Fans und solche die es werden wollen.

Star Trek Titan 4 – Schwert des Damokles
Film/Serien-Roman
Geoffrey Thorne
Cross Cult 2009
ISBN: 978-3-941248-03-8
427 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80


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Freitag, 15. Mai 2015

Star Trek Titan 3 – Die Hunde des Orion

Captain Riker und seine kosmopolitische Crew setzen ihre Reise in die unerforschten Winkel der Galaxis fort. Statt friedlicher Erforschung kommt es zu einigen unangenehmen Begegnungen mit kosmischen Lebewesen, und schon bald steckt die Crew der Titan in einem weiteren Dilemma, denn wie so oft trügt der erste Eindruck.

Die Titan unter Will Riker hat endlich ihre eigentliche Mission begonnen, außerhalb des Föderationsraums Forschung zu betreiben. Dabei stoßen Schiff und Besatzung auf alte Bekannte, die man schon aus der dem Pilotfilm der „Star Trek – Next Generation“-TV-Serie kennt. Die Telepathen an Bord des Schiffs, Deanna Troi eingeschlossen, empfangen die Schmerzensschreie dieser Wesen. Es stellt sich heraus, dass die Wesen von einer Zivilisation interstellarer „Walfänger“ gejagt werden. 

Riker und seine Crew untersuchen das Ganze, und versuchen dabei nicht voreingenommen zu sein. Schließlich gibt die Besatzung der Titan den Wesen unwillentlich die Möglichkeit, die Jagd auf sie zu beenden. Die Freude darüber währt allerdings nur kurz, denn das Eingreifen hat ein delikates kosmisches Gleichgewicht gestört, das die ganze Galaxis bedrohen könnte. Fortan ist Riker bemüht, das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen – nach Möglichkeit indem er es auf eine neue Basis stellt. Dabei wird einmal mehr die Oberste Direktive strapaziert und einmal mehr darf Riker mit dem Schicksal hadern. Es ist wohl kein „Star Trek“, wenn diese Frage um Einmischung in die Angelegenheiten anderer nicht gestellt wird. In der „Titan“-Reihe ist es zumindest bisher ein zentrales Thema, um das man auch hier nicht herumkommt. 

Neben den Akteuren von der U.S.S. Titan spielen auch einige ausgesuchte „Walfänger“ wichtige Rollen. Von diesen wird noch die meiste soziale Beweglichkeit verlangt, da ihre Lebensweise und ihre überlieferten Traditionen durch die Aktionen der Titan hinfällig werden. Der Exotikfaktor liegt allerdings vor allem bei der Vielzahl von Lebewesen, die sich in den Tiefen des Alls tummeln. Mehr als eines dieser Lebewesen hatte schon mindestens einen Auftritt im etablierten Kanon, wobei hauptsächlich „TNG“ und „Voyager“ zum Zuge kommen. Autor Christopher L. Bennet offenbart ein einigermaßen komplexes kosmisches Ökosystem, in dem Humanoide bestenfalls als sekundäre Nahrungsquelle vorkommen. Dass das Ganze gerade einmal zwei Monatsreisen vom Föderationsraum entfernt stattfindet, macht mir allerdings schon Gedanken, denn viele dieser Wesen können mit Warpgeschwindigkeit reisen, und für solche Riesen wäre es nur ein Katzensprung bis zur Grenze. Dass das alles dann neu für Riker und Co. ist, klingt für mich nicht sehr einleuchtend. 

Neben diesem A-Plot hat die Crew der Titan im B-Plot noch so manches an Vergangenheitsbewältigung abzuarbeiten. Der Sicherheitschef Keru, ein Trill, hat einige Vorbehalte gegenüber dem Kadetten Torvig, der einer Spezies angehört, die mit Implantaten und Cyberware versehen ist. Das wäre kein Problem, wenn nicht Keru einige schlechte Erinnerungen an die Borg hätte. So aber begegnet er dem Kadetten mit Misstrauen und unterschwelliger Angst. Ganz allgemein scheint das Thema hier das Bekämpfen innerer Dämonen und Ängste zu sein. Tuvok bekommt das genauso zu spüren, wie auch Ensing Melora Pazlar, die im Lauf der Handlung ein Trauma erleidet, das sie erst einmal verarbeiten muss. Zudem gibt es einige Spannungen zwischen Christine Vale, dem ersten Offizier, und Deanna Troi, der Ehefrau des Captains und diplomatischen Offizier der Titan. Vale glaubt, dass Trois Wort mehr Gewicht beim Captain hat als ihr eigenes. Für ein Schiff, das in der Hauptsache viele unterschiedliche Rassen beherbergt und ein Idealbild der Föderationsgesellschaft widerspiegeln soll, gibt es sehr viele Vorurteile, die es erst einmal abzubauen gilt. 

Die Bedeutung des Titels erschließt sich erst im Lauf der Handlung, und schließt die Lösung zu Rikers Dilemma ein, deshalb wird hier nicht mehr dazu verraten. 

Als kleine Bonbons philosophiert im Anschluss an den Roman Julian Wangler über die im All lebenden Wesen und ihre Bedeutung für „Star Trek“. Christoph Hühn und Henning Konnert führen zudem ein Interview mit dem Autor Christopher L. Bennet. 

Wie schon bei den ersten beiden Bänden werden die Hauptakteure auf dem Cover in einer ansprechenden Collage miteinander verquickt. Die Übersetzung erschien mir nicht ganz so holprig, wie bei den letzten Romanen. 

Fazit: In meinen Augen beginnt jetzt endlich die wirklich neue Ära, die im ersten Band dem Leser versprochen wurde. Der Weltraum, unendliche Weiten… die U.S.S. Titan begibt sich zurück zu den Ursprüngen von „Star Trek“ und betritt dabei aufregendes Neuland. Alte Bekannte aus einer völlig neuen Perspektive und neue Konflikte zeigen, was für ein Potential der Franchise „Star Trek“ hat – auch ohne zeitreisende Romulaner, welche die Zeitline stören. Von allen Romanen der „Titan“-Reihe ist dieser bisher mein uneingeschränkter Favorit.

Star Trek Titan 3 – Die Hunde des Orion
Film/Serien-Roman
Christopher L. Bennet
Cross Cult 2009
ISBN: 978-3-941248-03-8
427 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80


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Donnerstag, 14. Mai 2015

Star Trek Titan 2 – Der Rote König

Die U.S.S. Titan setzt ihre Reise unter dem Kommando des frisch gebackenen Captain Riker fort. Kaum haben er und seine Crew den drohenden Bürgerkrieg im Romulanischen Imperium abgewendet, droht durch ein weiteres „Vermächtnis“ des verschiedenen Prätors und Picard-Klon Shinzon neue Gefahr, die mehr als nur die Besatzung der U.S.S. Titan bedroht.


Der Cross Cult Verlag legt bei der Veröffentlichung von „Star Trek“-Romanen ein beachtliches Tempo vor. So liegt nun mit der „Rote König“ bereits der zweite Band der Reihe um Rikers erstes Kommando vor. Die Handlung setzt da ein, wo „Eine neue Ära“ am Ende einen zünftigen Cliffhänger hinterlassen hat. 

Durch die Anomalie, die bei der Vernichtung von Shinzons Flagschiff Scimitar durch dessen eigene Superwaffe entstanden ist, wurde die U.S.S. Titan zusammen mit anderen romulanischen Schiffen in eine weit entfernte Nebengalaxie, die Kleine Magellansche Wolke, gezogen. Dort angekommen, stellen Riker und seine bunte Truppe schnell fest, dass die Annomalie auch noch andere Qualitäten hat, als nur als eine Art Wurmloch zu fungieren und ein schönes Farbenspiel in den Himmel zu malen. 

Was in heimatlichen Gefilden bisher als relativ harmlose Anomalie galt, entwickelt hier das Potenzial zu umfassender Zerstörung. Leidtragende sind in diesem Fall vor allem die Neyel, ein verschollener Seitenstamm der Menschheit, der sich hier eine neue Existenz aufgebaut hat. Die Neyel sind dabei keine völlig Unbekannten, zumindest nicht in dem „Star Trek“-Universum, das in den Romanen entworfen wird. 

Ihr Debüt gaben die Neyel in dem „Star Trek: The Lost Era“-Roman „The Sundered“. Damals bereiteten die Neyel Captain Sulu von der U.S.S. Excelsior einiges Kopfzerbrechen. Zwei Bekannte, die damals beteiligt waren, sind auch diesmal mit von der Partie: Tuvok, der vorübergehend auf der U.S.S. Titan dient, und Admiral Akaar. Die beiden verbinden einige gemeinsame Erlebnisse, aber genauso viel scheint sie auch zu trennen. Besonders Akaar scheint Tuvok etwas nicht verzeihen zu können und der Leser wird im Laufe der Handlung erfahren, wo des Pudels Kern liegt und ob die beiden ihre Streitigkeiten beilegen können. 

Zurück aber zu den Neyel, denn hier ist wieder einmal die klassische „Was-glaubt-ihr-weshalb-gibt-es-wohl-die-oberste-Direktive“-Situation gegeben. Einmal mehr muss Riker sich darüber Gedanken machen, wie man die Gesetze der Föderation biegt, ohne sie zu brechen – nach Jahren unter Picard dürfte das allerdings für ihn eine relativ leichte Übung sein. Entscheidet er sich für eine Rettungsaktion zugunsten der Neyel oder überlässt er die Bevölkerung als unvermeidliche Opfer von Kollateralschäden ihrem Schicksal. 

Als hauptsächlicher Fokus für den Plot um die Neyel dient vor allem Frane, ein von den Romulanern aufgesammelter Neyel, der Mitglied einer Sekte ist, die davon überzeugt ist, dass die Anomalie die Manifestierung einer örtlichen Gottheit ist, die gerade erwacht und sich darauf vorbereitet, Franes Volk für vergangene Untaten zu vernichten. Die Ingenieure der U.S.S. Titan haben natürlich eine wissenschaftlichere Erklärung für die Ereignisse. Das Ergebnis, ob nun die Wissenschaft oder die Metaphysik, ist allerdings das gleiche und droht in letzter Konsequenz die gesamte Kleine Magellansche Wolke vollständig zu vernichten. Riker fühlt sich zu dem Neyel hingezogen, denn dieser hat ein ähnliches Problem mit seinem Vater, wie es Riker mit seinem hatte. Die Bewältigung dieses Problems wird aber in den Hintergrund gedrängt, denn die Ereignisse überschlagen sich. 

Und während Riker mit einer Hiobsbotschaft nach der anderen konfrontiert wird, muss er feststellen, dass die romulanische Befehlshaberin Donatra ihr eigenes Spiel spielt, und dabei zwischen ehrenhaftem Verhalten und den üblichen romulanischen Ränkeschmieden hin- und herpendelt. 

Die Handlung verzichtet diesmal auf größere Expositionen der einzelnen Crewmitglieder, die Hauptarbeit wurde in diesem Zusammenhang bereits in Band 1 erledigt. Einige Rückblenden, die das Dilemma zwischen Tuvok und Akaar in ein rechtes Licht rücken, lockern die Handlung auf. Ansonsten wird mit Action nicht gegeizt, und besonders die Hilflosigkeit angesichts der sich anbahnenden Katastrophe wird gut in Szene gesetzt. Am Ende werden dann aber die meisten Handlungsstränge aufgelöst und Riker findet endlich ein Motto für die Widmungstafel der U.S.S. Titan. (Letzteres war für mich fast schon genauso spannend wie der eigentliche Hauptplot.) 

Der Titel bezieht sich übrigens auf Lewis Carrols „Alice hinter den Spiegeln“ und ist eine direkte Anspielung auf die Figur des Roten Königs, der angeblich die Geschichte samt Alice träumt. Das Motiv findet sich auch in Tad Williams „Fluss aus blauem Feuer“ wieder. 

Als kleines Extra werden weitere Personen des Roman-Ensembles, wie zum Beispiel Tuvok, kurz beschrieben. Außerdem erhält man einen kleinen Einblick in den Roman „The Sundered“ und die Autoren werden kurz vorgestellt. 

Wie schon beim ersten Band besticht das Cover durch eine gelungene Komposition, die sowohl Admiral Akaar als auch Tuvok sowie einen roten König verbindet. 

Fazit: „Der Rote König“ setzt konsequent die Linie fort, die in „Eine neue Ära“ begonnen wurde. Hier sind Könner und Kenner am Werk, die aus dem Franchise das Beste herausholen. Die Autoren brennen ein wahres Actionfeuerwerk ab, lassen aber auch Charakterentwicklung nicht zu kurz kommen. Riker und Co. kommen glaubwürdig rüber, und auch die einzelnen Elemente der Handlung sind stimmig und führen zum Teil auch Handlungsstränge aus anderen Romanen weiter. Alles in allem ist der Roman also nicht nur für Fans allein geeignet.

Star Trek Titan 2 – Der Rote König 
Film/Serien-Roman
Michael A. Martin, Andy Mangels
Cross Cult 2009
ISBN: 978-3-941248-02-1
377 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80


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Mittwoch, 13. Mai 2015

Star Trek Titan 1 – Eine neue Ära

Mit den Worten „Die letzte Reise einer Generation beginnt…“ war seinerzeit mit einem Trailer für den zehnten „Star Trek“-Kinofilm „Nemesis“ geworben worden. Hier nun beginnt in Buchform im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Ära – mit alten Bekannten, alten Feinden, aber vor allem neuen Herausforderungen. Es lohnt sich, einen Blick zu riskieren…

Dank des Cross-Cult-Verlags haben deutschsprachige Romane im „Star Trek“-Universum eine neue Perspektive bekommen. Nach dem gelungenen Auftakt mit „Star Trek – Vanguard“ folgt jetzt die Fortsetzung der Zeitline nach „Nemesis“ mit den Abenteuern des Raumschiffs Titan, deren neuer Kommandeur kein anderer als William T. Riker ist. Was in „Nemesis“ nur mit wenigen Worten angedeutet wurde, wird hier in Form gegossen. Und Rikers erstes eigenes Kommando ist wirklich bemerkenswert.

Inhaltlich beginnt die Handlung kurz nach den Ereignissen von „Nemesis“. Während sich der neue Captain mit seinem neuen Kommando anfreundet, breitet sich im romulanischen Imperium das Chaos aus. Durch den Tod Shinzons, dessen gewaltsame Machtergreifung den etablierten Regierungsapparat weitgehend ausgeschaltet hat und dessen Herrschaft nur wenige Tage dauerte, ist ein Machtvakuum entstanden, das mehrere Fraktionen zu füllen gedenken. Das Imperium steht am Rande eines Bürgerkrieges. Neben den Resten des Senats und des Militärs buhlen natürlich auch der gefürchtete Geheimdienst Tal Shiar und die Remaner um die Kontrolle. Die Föderation ist besorgt, dass ein völliger Zusammenbruch des Sternenimperiums das delikate Machtgefüge des Alpha- und Beta-Quadranten empfindlich stören könnte. Aus diesem Grunde wird die Forschungsreise der U.S.S. Titan verschoben, und Riker wird beauftragt Verhandlungen zu führen, um die Stabilität des Imperiums zu gewährleisten.

Ein wirres Intrigenspiel um die Macht entbrennt, und Riker und Konsorten müssen all ihr Geschick aufwenden, um zu verhindern, dass die Verhandlungen scheitern, bevor sie ernsthaft beginnen können. Dabei hat sich die Besatzung der Titan auch noch anderen internen Herausforderungen zu stellen. Das Schiff ist ein buchstäblicher Schmelztigel der unterschiedlichsten Rassen, und der Anteil der Menschen liegt bei lediglich 15% Hier wird das Vulkanische Motto „Infinite Diversity in Infinite Combinations“ praktisch auf die Spitze getrieben.

Ein Sammelsurium an exotischen Crewmitgliedern muss einen Weg finden, sich an ein neues Schiff und aneinander zu gewöhnen. Eine weibliche Ferengi, ein Bajoraner und ein Cardassianer sind nur ein paar der hier auftretenden Exoten, und bei weitem nicht die ungewöhnlichsten. Den ersten Preis gewinnt ohne Zweifel der leitende Medizinische Offizier, ein Echsenwesen, dessen Anwesenheit nicht nur bei Riker Unbehagen erweckt. Der gute Doktor scheint sich seiner Wirkung auf andere durchaus bewusst zu sein, schließlich kokettiert genauso oft mit diesem Umstand, wie er auch darunter leidet, dass die Crew ihm mit Unbehagen begegnet. Aber jedes Crewmitglied, welches einen Auftritt in der Handlung hat, wird mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Stereotypen kann man hier mit der Lupe suchen.

Besonders gefreut hat mich, dass es den Autoren gelungen ist, Riker, Troy und andere Protagonisten, welche man bereits aus den Serien und Filmen kennt, glaubwürdig in Szene zu setzen. Besonders Rikers trockner Humor ist den beiden gut gelungen. Ansonsten findet man noch jede Menge Akteure aus den verschiedensten „Star Trek“-Serien und -Filmen, weitgehend aus Nebenrollen aber auch prominentere Personen, wie der Vulkanier Tuvok, bekommen ihren Auftritt. Von TNG über DS9 bis hin zu Voyager wird kräftig in den Fundus erinnungswürdiger Persönlichkeiten gegriffen, um dem Fan mit mehr oder minder vertrauten Namen das Gefühl zugeben, sich trotz aller Neuerungen auf bekannten Terrain zu bewegen. Außerdem spielt ein sehr bekannter Akteur aus der Originalserie eine nicht unwesentliche Rolle. Auch auf der romulanischen Seite wird nicht mit mehr oder minder guten Charakteren gegeizt, neben Tomalak und Senator Pardek, beides alte Antagonisten aus TNG, findet man Donatra und die Senatorin Tal Aura, beide bekannt aus „Nemesis“.

Gerade die Fülle von exotischen Personen und Ausnahmepersönlichkeiten, die im Verlauf der Handlung eingeführt werden, sorgt dafür, dass die Handlung nur langsam voran kommt. Gegen Mitte nimmt sie dann aber zunehmend Fahrt auf, und auch ein recht steiler Spannungsbogen macht den etwas dahinplätschernden Anfang mehr als wett.

Als der Name U.S.S. Titan das erste mal die Runde machte, spekulierten in etlichen Foren die „Star Trek“-Fans, um welche Art von Schiff es sich hier handeln sollte. Sehr viele Fans erwarteten ein gewaltiges Schiff mit genug Feuerkraft, um einen Borgkubus im Alleingang zu vaporisieren, schließlich war das bisher immer die Richtung in Film und Fernsehen gewesen. Zumal auch die Enterprise-E größer und besser bewaffnet war, als der unmittelbare Vorgänger der Galaxy Klasse. Stattdessen bekommt Riker das Kommando über ein Forschungsraumschiff, das nach dem Saturnmond Titan benannt ist und das über gerade mal 350 Besatzungsmitglieder verfügt. Die U.S.S. Titan ist alles andere als ein waffenstarres Kriegsschiff. Dies ist ein klares Signal, dass hier wirklich eine „Neue Ära“ am Ende einer konfliktreichen Dekade im „Star Trek“-Universum eingeläutet wird.

Dies wird auch im Zusatzmaterial in den Anhängen ersichtlich. Zum einen bekommt der geneigte Leser einen Einblick in die momentanen Probleme und Feinheiten der romulanischen Politik. Zum anderen wird das Dreigestirn – bestehend aus Captain Riker, Deanna Troi, die als Counselor und diplomatischer Offizier dient, und dem ersten Offizier Christine Vale – mit kurzen Lebensläufen vorgestellt. Den Anfang der Anhänge macht jedoch ein interessanter Exkurs in die Hintergründe dieser neuen Reihe und das neue Raumschiff.

Das Cover besticht durch eine gelungene Komposition, aber das Sahnehäubchen sind die ausklappbaren und farbigen Ansichten der U.S.S. Titan. Ein kleines Extra, welches mir auch schon in dieser Form bei den Abbildungen der Raumstation „Vanguard“ in „Der Vorbote“, sehr gefallen hat.

Fazit: „Eine neue Ära“ zeigt, dass hier Kenner des Franchise am Werk sind, die mit viel Liebe zum Detail den Auftakt zu einer neuen „Star Trek“-Reihe aus der Taufe gehoben haben, der dem ursprünglichen Konzept von Gene Roddenberry sehr nahe kommt. Die Handlung gewinnt nur langsam an Fahrt, da eine Fülle von Akteuren vorgestellt werden müssen, macht aber schließlich einen etwas schleppenden Anfang mehr als wett. Ein gelungener Start für eine Buchreihe zu einem Franchise, dem bereits der kreative Tod nachgesagt worden war. Jeder, der „Star Trek“-Fan ist, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Aber auch Gelegenheitsleser, die kein gesondertes Interesse an „Star Trek“ haben, können auf ihre Kosten kommen.

Star Trek Titan 1 – Eine neue Ära
Film/Serien-Roman
Michael A. Martin, Andy Mangels
Cross Cult 2008
ISBN: 3941248014
379 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80

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Star Trek: Titan ab heute auf dem Lesesofa

Im letzten Kinofilm an dem sich die Crew der U.S.S. Enterprsie-E unter Captain Picard beteiligte war die neue Wirkungstätte des frisch gebackenen Captains William T. Riker nicht mehr als ein beiläufig erwähnter Name: U.S.S. Titan. Amerkianische wurden um Ihre Meinung gebeten um was für eine Art Schiff es sich bei Rikers erstem eigenen Kommando handeln sollte. Heraus kam ein Forschungschiff, dass größer ist als Janeways U.S.S. Voyager und kleiner als Picards U.S.S. Enterprise.

Bevölkert wird das Schiff von einer enormen Anzahl Akteuer die unterschiedlichen Rassen angehören. Menschen sind hier eher die Minderheit an Bord. Es ist in vielerlei Hinsicht ein galaktische Patchworkfamilie, die Riker übernimmt. Die U.S.S. Titan kehrt - zumindest nominell - zu den Traditionen der Originalserie zurück. Riker darf in unbekannte Regionen des Weltraums vordringen und Entdecker sein.
Die Serie um Captain Riker und seine Crew ist vielleicht auch deshalb so erfolgreich, weil die Geschichten ein wenig an die gute alte Zeit mit Kirk, Spock und Co. erinnern.

Nun folgen in chronologischer Rheienfolge in den nächsten Tagen alle Romane der Reihe, die ich bisher gelesen habe.....

Dienstag, 12. Mai 2015

Star Trek – Frohe klingonische WeiHnach’t

Manche werden sich wundern, dass an dieser Stelle im Wonnemonat Mai ein Buch vorgestellt wird, dass sich besonders gut unter einem geschmückten Baum machen würde. Zum einen habe ich diese Rezensionen bereits beim Ringboten-Online Mitte Dezember 2014 veröffentlicht. Und zum anderen ist es ein evidentes Zeichen dafür, wie sehr ich diesen Blog bisher vernachlässigt habe...


In diesem Buch werden die Klingonen in den Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte gestellt. Viele vertraute Bräuche bekommen einen „klingonischen“ Einschlag. Einschließlich eines Klingolaus mit ausfahrbaren Klauen, Tribbles in den Stiefeln unartiger klingonischer Jungen und Mädchen und der beseelten Feiertagswärme einer heißen Tasse gewürzten Blutweins. Was braucht der Fan mehr, um in Weihnachtsstimmung zu kommen …

Es gibt schon seltsame Blüten, die ein Franchise treiben kann. Zum Fest der Liebe kann man auch die Geeks in seinem Umfeld mit allerlei Geschenken bedenken. Die obligatorischen Franchiseartikel, wie etwa Tassen mit Logo und Sprüchen, sind da ja schon fast langweilig. Aber für den eingefleischten Fan gibt es noch andere Schmankerl, an denen er sich erfreuen kann. Das vorliegende Buch ist eines dieser Schmankerl. Pünktlich zum Fest können sich nun „Star-Trek“-Fans auf die klingonische Weihnacht freuen.

Dieses lediglich 40 Seiten umfassende Hardcoverbuch mit Schutzumschlag macht optisch etwas her und das ist die Hauptintension. Textlich fällt das Ganze dann auch etwas mager aus. Auf jeder Doppelseite stehen Illustrationen aus der Hand von Patrick Faricy, inspiriert von dem idealisierenden Stil eines Norman Rockwell, im Mittelpunkt. Der Aufbau der Seiten ist immer gleich. Auf der Linken Seite steht der Text, auf der rechten Seite findet sich eine passende vollfarbige Zeichnung.

Der Text beschränkt sich auf ein paar Zeilen in Reimform. Dabei werden übliche (oft amerikanische) Weihnachtsgebräuche klingonisch eingefärbt. Die artigen Kinder bekommen echte Klingenwaffen zum Fest und der Urvater aller Klingonen, Kahless, wird als Jesuskind präsentiert, während ehrlose und böse Kinder mit einem grässlichen Tribble bestraft werden. Es finden sich etliche Anleihen an die klingonische Kultur, die durchaus lustig sind. Gewürzter Blutwein, ein von Bird of Preys gezogener Schlitten und verhedderte Lichterketten sind nur einige der Elemente, die hier aufgenommen wurden. Man krümmt sich zwar nicht vor Lachen, aber ich konnte beim ersten Lesen auf jeder Seite schmunzeln.

Die Reime sind erwartungsgemäß keine großartige epische Lyrik. Da ich nur die deutsche Übersetzung vorliegen hatte, kann ich leider nicht beurteilen, ob die originalen englischsprachigen Verse qualitativ besser sind. Im Zweifel würde ich jedoch eine ähnliche Qualität vermuten.

Fazit: „Frohe klingonische WeiHnach’t“ ist etwas für eingefleischte „Star Trek“-Fans. Es ist gewiss keine abendfüllende Lektüre, aber es ist kurzweilig und lädt den Fan zum Schmunzeln ein. Die liebevoll gezeichneten Illustrationen zu sehen, machte mir großen Spaß. Die Verse sind keine große Lyrik, aber durchaus witzig. Auch wenn
manchmal die Maxime „Reim dich oder ich fress’ dich“ zu sehr eingesetzt wurde. Am Ende ist das Buch nach einem „echten“ Bathlet wohl das zweitbeste Geschenk, das sich ein echter Klingonenfan für unter dem Weihnachtsbaum wünschen kann. Der Preis von 14,80 Euro ist für die solide und meiner Meinung nach gelungene Verarbeitung gerechtfertigt.

Star Trek – Frohe klingonische WeiHnach’t
Begleitbuch
Paul Ruditis
Cross Cult 2014
ISBN: 978-3864254376
40 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 14,80


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Montag, 11. Mai 2015

Planet der Affen

Mit neuen Filmen, die auf dem Roman „Planet der Affen“ basieren, hat sich der Verlag Cross Cult entschieden, eine Neuauflage des ursprünglichen Buchs auf den Markt zu bringen. Der Leser kann sich auf einen echten Leckerbissen freuen.

1963 wurde Pierre Boulles „Planet der Affen“ zum ersten Mal veröffentlicht. Der Roman diente in den letzten fünfzig Jahren immer wieder als Basis für verschiedene Filme und auch für eine kurzlebige Fernsehserie. Der Verlag hat eine völlig neue Übersetzung des Romans aus dem Französischen durch Merle Taeger beauftragt, die sehr angenehm zu lesen war.
 
Wer die Geschichte aus dem Film kennt, wird hier ein paar gravierende Veränderungen feststellen, die dem Ganzen eine besondere Wendung geben, sich aber erst im Laufe der Handlung offenbaren. Die Filme haben sich teilweise enorme Freiheiten mit dem Hintergrund genommen.

Darum geht es: Zwei reiche Müßiggänger finden auf einer galaktischen Kreuzfahrt eine Flaschenpost. In der Flasche befindet sich der Reisebericht des Franzosen Ulysse Mèrou, der mit zwei Begleitern zu dem Stern Beteigeuze reist. Dort finden die Männer zu ihrer Überraschung einen Planeten vor, welcher der Erde sehr ähnelt und von ihnen Soror (Schwester) getauft wird. Nach der Landung stoßen die Forscher auf menschenähnliche Wesen, denen jedoch jedes rationale Handeln und Denken zu fehlen scheint. Durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse, werden die Astronauten ihrer Ausrüstung und ihrer Kleidung beraubt. Als wenn das nicht genug wäre, werden sie in einer mörderischen Treibjagd von der herrschenden Zivilisation des Planeten gejagt: den Affen.

Ulysse Mèrou wird von seinen Gefährten getrennt und in eine Forschungsanstalt gebracht. Dort wird er verschiedenen Tests unterzogen, wie sie heutzutage an Primaten durchgeführt werden. Pierre Boulle beraubt seinen Protagonisten all der zivilisatorischen Symbole und degradiert ihn zu einem Tier. Es ist quasi eine auf den Kopf gestellte Welt, die mir beim Lesen Unbehagen hervorrief. Besonders immer dann, wenn die Affen stolz über ihre Versuche an Menschen berichten. Nur mit Mühe und Glück gelingt es Ulysse, die Schimpansin Zira davon zu überzeugen, dass er fähig ist, rational zu denken und zu handeln. Gemeinsam mit Zira und ihrem Verlobten Cornelius versucht der moderne Odysseus, das Geheimnis des Planeten der Affen zu ergründen. Dabei erlebt er ein paar faustdicke Überraschungen.

Der Roman ist nicht sehr actionbetont. Der Protagonist ist kein Kämpfer und kann seiner Gefangennahme nicht entgehen. Das Buch lässt den Leser durch einen dunklen Spiegel blicken. Dabei werden zum einen Tierversuche  angeprangert, indem diese nun an Menschen durchgeführt werden. Zum Zweiten wird die narzisstische Einstellung des Menschen als vermeintliche „Krone der Schöpfung“ als Hybris entlarvt.

Das Buch ist aus meiner Sicht jedoch nicht zu Ende gedacht. So wird Mèrou mit einer schönen Frau zusammengesperrt, zu der er sich hingezogen fühlt und die er Nova tauft. Wenn man konsequent darüber nachdenkt, müsste eine Frau, die sich wie ein Affe gebärdet und deshalb auch nicht so sehr auf ihr Äußeres achtet, auf Mèrou wohl weniger attraktiv wirken. Trotzdem wird die Frau von ihm immer wieder mit einer Nymphe verglichen. Ungepflegtes Äußeres – Fehlanzeige.

Manches im Roman kommt deshalb ein wenig zu vereinfacht herüber. Vieles, insbesondere verschiedene Tests werden detailliert beschrieben. Anderes dagegen bleibt vage. Der Protagonist selbst ist eine zwiespältige Person. Zum einen bemitleidet er seine primitiven Mitmenschen, zum anderen verachtet er sie jedoch auch und behandelt sie mit der gleichen Gleichgültigkeit, wie es die Affen tun. Auch die Lösung des Rätsels zum Hintergrund des Planeten der Affen erschien mir zum Schluss ein wenig zu konstruiert und viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen, um glaubwürdig zu sein. Ich will jedoch nicht zu viel verraten. So viel sei aber gesagt: Die Ungereimtheiten waren nun nicht so störend, als dass das Lesevergnügen geschmälert würde.

Fazit: Es ist ein zeitloser Klassiker, den Cross Cult dem Leser serviert. Das Buch geht in eine etwas andere Richtung als die verschiedenen Filme, die auf ihm basieren. Die verkehrte Welt, die Pierre Boulle seinen Mitmenschen vor gut fünfzig Jahren vorsetzte, ist sowohl Zivilisationskritik als auch ein Plädoyer gegen Tierversuche. Mit einigen Wendungen und Handlungen war ich nicht glücklich, da sie sich mir nur bedingt erschlossen hab
en. Manche Wendung in der Handlung schien mir dann doch zu konstruiert.

Planet der Affen
Science Fiction-Roman
Pierre Boulle
Cross Cult 2014
ISBN: 9783864254253
68 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 12,80


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